Mein Date mit der Welt / Waltraud Hable
Copyright: Patricia Weisskirchner

Diesem Buch sind eine Weltreise und ein Blog vorangegangen. 11 Monate, einmal quer über den Globus, alleine als Frau – im biblischen Alter von Ende 30 und einem übergewichtigen Rollkoffer im Gepäck, der unvernünftige Dinge wie XL-Bodylotions und eine Lederjacke beherbergte.

Man bereut immer die Dinge, die man NICHT tut

Andere investieren ihr Erspartes in die Anzahlung für eine Eigentumswohnung oder ähnlich Vernünftiges. Ich habe mein Geld für die Weltreise auf den Kopf gehauen (und fürchte, dass ich als Greisin mal unter der Brücke enden werden, während alle meine Freunde Eigentum oder zumindest schicke Autos besitzen).  Auch wenn „Ich bin auf Weltreise gefahren“ hier so salopp-einfach klingt, muss ich gestehen:  Ich habe 15 Jahre herumgeiert, bis ich wirklich den Mumm hatte, loszufahren. Ich bin von Natur aus eher der Typ Schisser und Kontrollfreak. Aber letztlich sedierte ich mich mit dem Sinnspruch: „Man bereut immer die Dinge, die man nicht tut“.  Ich habe meinen Job gekündigt, meine alte Schrottkiste verkauft und meinen Hintern ängstlich bei der Tür hinausgeschwungen. Immer der Sonne hinterher, wenn schon on the road, damit zumindest nicht frieren. Von Tansania nach Kapstadt über San Francisco und Hawaii, von Buenos Aires nach Rio über Sydney, Tokio, Laos, Myanmar, Thailand, Indien, Marrakech, Helsinki und Lissabon.

Eine (kleine) Anleitung zum Weltreisen

Meine Rückkehr ist jetzt über ein Jahr her. Und was soll ich sagen? Die Resozialisierung war schwierig. Man könnte auch sagen, dass ich komplett neben mir stand. Ich bin wieder in mein alte Wohnung gezogen, haben mir einen neuen Job suchen müssen, gearbeitet wie ein Tier und nebenbei habe ich versucht, eine Liebe zu verlängern, die sich auf Reisen aufgetan hat.

Mein Date mit der Welt / Waltraud Hable
Copyright: Patricia Weisskirchner

Ein Buch zu schreiben stand nie am Plan. Das ist keine Koketterie, es ist die Wahrheit. Zum einen ist es sauviel Arbeit, 250 Seiten fehlerfrei zu Papier zu bringen und nebenbei nicht den Lektor zu erwürgen. Zum anderen verdient man damit nichts. Man muss schon Joanne K. Rowling oder Stephen King sein, damit sich das monatelange Schreiben rentiert. Aber dann, während ich versuchte, mein Leben daheim zu sortieren, bekam ich plötzlich viele Kontaktanfragen von Menschen, die meinen Blog gelesen hatten. Plötzlich hielt ich in diversen Wiener Kaffeehäusern Audienz und beantwortete wie ein Roboter die immer selben Fragen: Wie versichert man sich während einer Weltreise? Wie organisiert man das Ganze? Wie viel Datenguthaben braucht man fürs Handy pro Monat? Wie ist das mit der Kohle? Und der Sicherheit? Alles Dinge, die ich in meinem Blog nur gestreift habe. Der Blog war eher eine Art Tagebuch, damit meine Freunde und meine Familie wussten, dass ich noch lebte  und keinen allzu großen Blödsinn machte. Es war keine How-to-Anleitung für Nachmacher. Aber offenbar fehlte genau die. Also habe ich einen Verlag kontaktiert, die sprangen auf die Idee an und nun wird alles per Buch  kompakt nachgereicht.

Auf der Suche nach der großen Freiheit (und ein bisschen auch nach Liebe)

Special Thanks an dieser Stelle an Andrea Wurth vom deutschen DuMont Reiseverlag. Die war mir vom ersten Telefonat an schwer sympathisch. Und ich wusste, wenn ich 300.000 Zeichen schreibe und alles nochmal aufrolle, dann mit ihr. Dazu muss man wissen: Bei einem Reisebuchverlag ist man grundsätzlich nicht sonderlich beeindruckt von Weltreisenden. Monatelang durch die Welt zu gondeln ist für diese Leute quasi Grundvoraussetzung. Die haben ständig mit Aussteigern, Weltumseglern, Abenteuercampern, Ich-fahr-mit-dem-Motorrad-allein-als-Frau-durch-Afrika und anderen Verrückten zu tun. Als Andrea mich fragte: Was macht deine Geschichte besonders, wusste ich erst nicht, was ich antworten sollte. Irgendwann überlegte ich laut und sagte: Das war ja nicht nur eine Weltreise, das war ja auch ein tinder-Selbstversuch und wahrscheinlich auch ein bisschen die Suche nach der großen Liebe. Zack, schon hatte ich ihre Aufmerksamkeit. Und ich wusste, aus der Nummer komme ich nicht mehr raus. Was aber okay ist, denn irgendwie ist die Reise erst jetzt, wo ich auch die Flirts und amourösen Abenteuer ein bisschen näher beleuchtet habe, richtig abgeschlossen. Meine Mutter ist vorgewarnt, die beängstigend kluge Schwester hat ihren Sanktus gegeben und die über 80-jährige Oma wird das Buch nicht lesen. Und wenn doch … auch gut.

Wer will aus meinen Fehlern lernen? 🙂

So, jetzt aber genug geschwafelt. Wer es lesen will: Das Pamphlet heißt „Mein Date mit der Welt“. Der Titel ist nicht nur wegen der Tinder-Dates so gewählt, sondern weil ich mich endlich aufs Leben eingelassen habe und bei meinem Rendezvous mit der Welt die tollsten Plätze, Kulturen und Momente erleben durfte. Ich sage immer, wenn ich das kann, dann können das andere. Und zumindest können andere von meinem Fehlern lernen: In Buch findet sich etwa die ungeschönte Packliste, in der aufgeführt ist, was ich auf Reisen mitgenommen habe – und was davon völliger Schwachsinn war (sehr viel, das kann ich vorab verraten).

Los jetzt!

Eines noch: Weil ich vorhin darüber lamentiert habe, dass sich Bücher selten rentieren … Für mich hat sich das Buch rentiert, wenn nur eine Person sich dadurch inspiriert fühlt, auch ihren Traum zu verwirklichen und ein bisschen Freiheit zu schnuppern. Ich widme also großherzig mein Buch allen, die zögern. Die Welt da draußen wartet. Und sie hat die schönsten Momente mit im Gepäck.